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Sport
Samstag, 26. Juni 2010 23:10
„Die Briten sind traumatisiert“

„Die Briten sind traumatisiert“

Deutschland gegen England: ein Klassiker, der (nicht nur) die Fußballwelt bewegt

Regensburg – „England gegen Deutschland – für dieses Spiel wurde die WM doch erfunden“ schallt es allerorts. Englands Fußball-Legende Gary Lineker brachte es einst treffend auf den Punkt: „Im Fußball spielen 22 Männer gegeneinander, und am Ende gewinnen immer die Deutschen.“ Wie steht’s um die Meinungen der Regensburger Fußball-Fans? BLIZZ fragte Vertreter beider Nationen. Das Fazit: Der heutige Klassiker (16 Uhr) ist mehr als ein Fußballspiel.

Unvergessen ist das Wembley-Tor. Drin? Doch nicht drin? Das 3:2 im WM-Finale 1966 (Endstand: 4:2) bescherte den Engländern den bisher einzigen Triumph bei einer Fußball-Endrunde. Nicht weniger spannend die „Hitzeschlacht von Leon“ (1970) in Mexiko. Nach einem Zwei-Tore-Rückstand siegten Seeler & Co. noch 3:2. Oder die WM 1990 in Italien: Im Halbfinale gewann das deutsche Team in einem dramatischen Elfmeterkrimi.

Vier Jahre später „the same procedure as every day“. Im „Mutterland des Fußballs“ war erneut gegen die „Alemannen“ im Halbfinale finito. Wieder versagten den Briten am Elfmeterpunkt die Nerven. Noch schmerzhafter für die „Three Lions“ war das Abschiedsspiel (2000) im alten Wembley-Stadion (danach wurde es für 1,4 Milliarden Euro umgebaut). 1:0 hieß es am Ende. Siegtorschütze und langjähriger Profi auf der „Insel“, Ditmar Hamann, sagt: „Das haben’s bis heute nicht verkraftet.“

Steven Tanner (49), Lehrer der Regensburger Fremdsprachenschule (RFS), taxiert die „Traumatisierung durch die Deutschen“ derweil ins Jahr 1970. „Entscheidend war die Niederlage in Mexiko. Damals wurde England nicht nur vom Fußballthron gestoßen, auch wirtschaftlich zog Deutschland an meinem Heimatland vorbei.“ Für das heutige Match sieht er aufgrund fehlender Kreativität für die Truppe von Coach Fabio Capello schwarz: „Ein klares 3:0 für Deutschland.“

Für Sportbürgermeister Gerhard Weber (62) wird’s enger: „Ein knappes 2:1 für uns.“ Hoffnung macht ihm, dass die Deutschen als Turniermannschaft gelten und sich immer weiter steigern können. Offensiver zu spielen, mit zwei Spitzen, wie manche es fordern, schmettert er ab. „Zur Zeit gibt’s geschätzte 80 Millionen Bundestrainer. Entscheiden kann aber nur einer – Jogi Löw. Und der muss am Ende dafür geradestehen.“

„Ich würde Podolski neben Klose stürmen lassen. Dann hat Özil vorne mehr Anspielmöglichkeiten“, sagt Hans Dorfner (44). Sein Tipp: „2:1 nach Verlängerung. Wichtig ist nur, dass wir nicht in Rückstand geraten.“ Das Problem: Ein Leader wie Ballack, der das „Spiel herumreißen könnte“, fehlt. Beeindruckend findet der Ex-Profi-Spieler die Leistung von Schweinsteiger, Neuer und...

„...Özil. Mir hat imponiert, wie der gegen Ghana bis zum Schluss gerackert hat, obwohl er so fertig aussah“, sagt Fenella Raab (41). Die gebürtige Engländerin setzt trotzdem auf einen 1:0-Sieg für ihre Landsleute – „aus reiner Hoffnung“. Sollte Deutschland heute dennoch gewinnen, „sollen sie auch Weltmeister werden. Dann haben sie es verdient.“

Toby Boncey (21): „Wir gewinnen, aber nur, wenn Emile Heskey nicht spielt.“ Der Stürmer gilt als „Chancentod“. Der englische Jurastudent wettet auf einen 1:0-Sieg für die „Three Lions“: Seiner Meinung nach werden es Wayne Rooney und Steven Gerrard schon richten.

„Rooney? Mal schau’n. Der muss erst noch ins Turnier finden“, sagt Tobias Schweinsteiger (28). Sein heimlicher Star in Reihen des Rivalen: „Gareth Barry. Als Taktgeber im Mittelfeld ist er am wichtigsten.“ Stolz ist der neue Jahnler auf Bruder Bastian: „Wie er vorneweg marschiert – alle Achtung.“ Für das heutige Match sieht er eine enge Kiste mit dem besseren Ende für Deutschland voraus. Über den möglichen Viertelfinalgegner will er noch gar nicht nachdenken. „Erstmal muss England weggeputzt werden.“

„Kein Understatement“ fordert RFS-Leiter Philip Wade (61): „Deutschland kann stolz auf sich sein. Besonders diese Liebe zum Vaterland ist ungewöhnlich.“ Der gebürtige Londoner glaubt: „Das Elfmeterschießen kostet uns wieder den WM-Titel.“ Seine Hoffnungen ruhen derweil auf seine Wahlheimat Deutschland.




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